Das Sicherheitsunternehmen Gambit hat am 22. September eine Angriffskampagne beschrieben, bei der KI-Agenten selbstständig Onlineshops angreifen. Zwischen dem 10. und 15. September führten die Systeme 105 Angriffe aus, mindestens 27 Unternehmen wurden dabei kompromittiert. Bei zwei Unternehmen wurden mehr als 600.000 Kreditkartendatensätze abgegriffen. Insgesamt waren mindestens 119 Websites mit einem Skimmer verbunden.
Wie die Angriffe ablaufen
Eingesetzt werden drei frei verfügbare KI-Agenten: Strix, Cairn und Hermes. Sie erhalten einen kurzen Auftrag und suchen danach ohne weitere Steuerung nach Schwachstellen. Finden sie eine, verändern sie JavaScript-Dateien und schleusen Code in die Checkout-Seite ein, der Kartendaten beim Eintippen mitliest. In einzelnen Fällen griffen die Agenten auch auf Cloud-Speicher und Kubernetes-Konfigurationen zu. Eine Aufräumroutine löschte bei einem Opfer 180 Datenbanktabellen.
Woran Händler einen Befall bemerken
- Änderungen an JavaScript-Dateien, für die es keine Freigabe gab, besonders im Bestellprozess
- Skripte, die von fremden Adressen nachgeladen werden
- Neue oder veränderte Benutzerkonten im Shop-Backend
- Abweichungen zwischen den Bestellungen im Shop und in der Warenwirtschaft
- Häufungen von Rückbuchungen, die der Zahlungsdienstleister meldet
Was kurzfristig hilft
Die Angriffe zielen auf bekannte Lücken und schwach gesicherte Zugänge, nicht auf unbekannte Schwachstellen. Wirksam sind deshalb die üblichen Maßnahmen, konsequent umgesetzt: Mehrfaktor-Anmeldung für alle Backend-Zugänge, zeitnahe Aktualisierung von Shop, Erweiterungen und Servern, eine Überwachung der Dateien im Bestellprozess sowie Sicherungen, die getrennt liegen und regelmäßig zurückgespielt werden.
Einordnung
Neu an dieser Kampagne ist nicht die Methode. Kartendaten an der Kasse mitzulesen ist seit Jahren bekannt. Neu ist das Tempo: Wo früher jemand von Hand nach offenen Systemen suchte, arbeiten jetzt mehrere Agenten gleichzeitig und ohne Pause. Die Kampagne lief mindestens seit Juli und war am 22. September noch aktiv. Für Händler bedeutet das vor allem, dass die Zeitspanne zwischen einer bekannt gewordenen Lücke und dem ersten Angriffsversuch kürzer wird. Wer Aktualisierungen bisher im Monatsrhythmus einspielt, sollte das für Shop und Zahlungsmodule überdenken.
Stand: 27. September 2026.
Quellen:
Gambit Security: AI Agents Are Hacking Online Retailers for $25 a Company, 22.09.2026
BleepingComputer: Malicious AI agents steal 600K credit cards, infect 100+ sites with skimmers, 23.09.2026
Swiss Cybersecurity: KI-Agenten greifen Hunderte Onlineshops an und stehlen Kreditkartendaten, 25.09.2026