49 Prozent der Verbraucher in Deutschland halten es für wahrscheinlich, dass KI-Assistenten in den nächsten fünf Jahren einen Großteil ihrer alltäglichen Einkäufe übernehmen. Das ergibt eine Folgestudie von Riverty und Adyen, die am 24. September 2026 veröffentlicht wurde; das Institut Appinio befragte dafür vom 14. bis 17. August 2026 1.000 Personen. Den Kauf selbst wollen viele aber nicht abgeben: 48 Prozent möchten die KI nur für Recherche und Empfehlungen nutzen und danach im Shop selbst bestellen.

Was Verbraucher erwarten

  • 67 Prozent geben an, das Prinzip von KI-Einkaufsagenten zu verstehen.
  • 16 Prozent akzeptieren, dass ein Agent nach einem Auftrag im Chat direkt kauft, 11 Prozent zumindest bei kleineren Käufen.
  • 25 Prozent lehnen jede Entscheidungsfreiheit der KI beim Einkauf ab.
  • 51 Prozent bevorzugen den Rechnungskauf, wenn eine KI bestellt; digitale Wallets folgen mit 15 Prozent.
  • 39 Prozent würden einer KI monatlich 51 Euro oder mehr anvertrauen, im Dezember 2025 waren es noch 50 Prozent.

Zwei Standards, ein gemeinsamer Nenner

Google stellte am 11. Januar 2026 das Universal Commerce Protocol (UCP) vor, mitentwickelt mit Shopify, Etsy, Wayfair, Target und Walmart. Teilnehmende Händler brauchen laut Google ein aktives Merchant-Center-Konto und Produkte, die für den Checkout zugelassen sind. Die UCP-basierte Kaufabwicklung soll laut Ankündigung vom 20. Mai 2026 in Kanada und Australien und später in Großbritannien starten; Deutschland ist dort nicht genannt. Weltweit verfügbar sind dagegen konversationelle Attribute im Merchant Center, mit denen Händler Produktbeschreibungen auf dialogorientierte Suchanfragen ausrichten.

OpenAI beschreibt in der Dokumentation zum Agentic Commerce Protocol (ACP), dass Händler Kennungen, Beschreibungen, Preise, Bestände, Medien und Versandoptionen liefern. Datei-Feeds sollen mindestens täglich als vollständiger Stand übertragen werden, über die Feed-API sind Teilaktualisierungen möglich. Die Teilnahme steht derzeit zugelassenen Partnern offen.

Was Händler an ihren Produktdaten prüfen sollten

  • Eindeutige Kennungen wie GTIN und Herstellernummer für jeden Artikel und jede Variante.
  • Preise und Bestände, die im Feed mindestens täglich aktualisiert werden.
  • Attribute wie Material, Maße und Kompatibilität als eigene Felder statt nur im Beschreibungstext.
  • Lieferzeiten und Versandoptionen in strukturierter Form.
  • Eine führende Datenquelle, etwa Warenwirtschaft oder PIM, aus der alle Kanäle versorgt werden.

Einordnung

Auf Händlerseite fehlen dafür oft die Grundlagen. In einer Befragung des EHI Retail Institute im Auftrag von Softserve (218 Teilnehmende aus dem deutschsprachigen Handel, Juli und August 2026, veröffentlicht am 10. September 2026) bewerten nur 39,2 Prozent ihre Datenbasis als eher gut bis sehr gut, nur gut ein Fünftel sieht sich personell ausreichend aufgestellt. Zugleich erwarten 85,8 Prozent in fünf Jahren einen starken Einfluss auf den Onlinehandel. Beide Standards verlangen vor allem vollständige und aktuelle Artikel- und Bestandsdaten. Wer diese Daten an einer Stelle pflegt, ist vorbereitet, unabhängig davon, wann die Kauffunktionen in Deutschland verfügbar werden.

Stand: 9. Oktober 2026.

Quellen:
Riverty (Presseportal): Agentic Commerce: Hälfte der Deutschen hält es für wahrscheinlich, dass KI bald einen Großteil ihrer Einkäufe übernimmt, 24.09.2026
Google Developers Blog: Under the Hood: Universal Commerce Protocol (UCP), 11.01.2026
Google Blog Deutschland: Neue UCP-Funktionen und KI-Tools für Händler, 20.05.2026
OpenAI Developers: Key concepts – Agentic Commerce, abgerufen am 09.10.2026
EHI Retail Institute: Agenten für mehr Conversion, 10.09.2026