Die EU-Kommission hat am 28. Mai wegen illegaler Produkte eine Strafe von 200 Millionen Euro gegen den Marktplatz Temu verhängt. Begründet wurde das damit, dass Risiken und Schäden für Verbraucher nicht ordnungsgemäß bewertet worden seien, ein Verstoß gegen den Digital Services Act.

Es ist die erste Sanktion dieser Größenordnung gegen eine Shoppingplattform. Damit ist die Frage beantwortet, ob der Digital Services Act durchgesetzt wird.

Die Folgen treffen die Verkäufer

Plattformen reagieren auf solche Verfahren vorhersehbar. Sie verschärfen die Anforderungen an ihre Händler, weil sie die Verantwortung für Angebote Dritter selbst tragen. Typische Maßnahmen, die auf allen großen Marktplätzen zu beobachten sind:

  • strengere Verifizierung der Verkäuferidentität und regelmäßige Nachprüfung
  • Pflichtfelder für den in der EU verantwortlichen Wirtschaftsakteur
  • automatisierte Prüfung von Produktbildern und Beschreibungen auf verbotene Merkmale
  • kürzere Fristen zur Vorlage von Konformitätsunterlagen
  • schnellere Deaktivierung im Zweifel, mit nachgelagerter Klärung

Der letzte Punkt ist der unangenehmste. Im Zweifel wird zuerst gesperrt.

Was Händler daraus ableiten sollten

  • Vollständigkeit der Verkäuferdaten prüfen. Abweichungen zwischen Handelsregister, Impressum und Plattformkonto führen regelmäßig zu Sperren.
  • Unterlagen je Artikel digital verfügbar halten, sodass eine 48-Stunden-Frist einhaltbar ist.
  • Für umsatzstarke Artikel eine zweite Vertriebsschiene aufbauen. Ein gesperrtes Listing auf einem Marktplatz darf nicht den Monatsumsatz gefährden.
  • Auf Plattformmitteilungen kurzfristig reagieren können. Ein Postfach, das nur wöchentlich geprüft wird, ist hier ein Risiko.

Der zweite Effekt

Mittelfristig verbessert eine konsequente Durchsetzung die Position europäischer Händler, weil sich die Kostenunterschiede verringern, die aus unterschiedlicher Regelbefolgung entstehen. Dieser Effekt braucht Zeit und ist kein Grund, kurzfristige Vorkehrungen zu verschieben.

Einordnung

Die Regulierung wirkt inzwischen. Für den einzelnen Betrieb bedeutet das zusätzlichen Dokumentationsaufwand und gleichzeitig einen fairer werdenden Wettbewerb. Wer seine Unterlagen ordnet, profitiert von beidem.