Im Einzelhandel gab es Ende August eine Tarifeinigung, zunächst in Nordrhein-Westfalen. Beschäftigte erhalten mehr Geld. Die WELT berichtete darüber.

Für Handelsbetriebe bedeutet das planbar steigende Personalkosten bei gleichzeitig angespannter Ertragslage. Die übliche Reaktion lautet Automatisierung. Das ist richtig, aber zu unbestimmt, um daraus eine Entscheidung abzuleiten.

Wo Automatisierung schnell wirkt

Automatisierung lohnt sich dort, wo ein Vorgang häufig, gleichförmig und regelbasiert ist. Im Handel trifft das auf wenige, dafür sehr häufige Abläufe zu:

  • Übernahme von Bestellungen aus Marktplätzen und Shop in die Warenwirtschaft
  • Bestandsabgleich zwischen Lager, Shop und Marktplätzen
  • Erzeugung und Versand von Rechnungen und Lieferscheinen
  • Statusmeldungen an Kunden, von Versandbestätigung bis Retoureneingang
  • Übergabe von Buchungsdaten an die Buchhaltung

Diese fünf Punkte machen in vielen Betrieben einen erheblichen Teil der Büroarbeit aus. Sie sind vollständig regelbasiert und damit gut automatisierbar.

Wo Automatisierung wenig bringt

Bei Vorgängen mit Einzelfallentscheidung. Reklamationsbearbeitung, Lieferantenverhandlung, Sortimentsauswahl und Beratung lassen sich unterstützen, aber nicht ersetzen. Wer dort automatisiert, verlagert Aufwand in die Fehlerkorrektur.

Die Rechnung, die man aufmachen sollte

Ein einfacher Ansatz genügt für die Entscheidung:

  • Wie oft kommt der Vorgang im Monat vor?
  • Wie viele Minuten kostet er im Schnitt?
  • Wie hoch ist der Anteil, der tatsächlich entfällt, und nicht nur verlagert wird?

Bei 400 Bestellungen im Monat und vier Minuten manueller Übertragung je Bestellung sind das über 26 Stunden. Diese Rechnung ist belastbarer als jede allgemeine Aussage über Effizienzgewinne.

Reihenfolge der Umsetzung

Zuerst die Schnittstellen zwischen bestehenden Systemen, dann die Standardisierung der Abläufe, zuletzt zusätzliche Software. Die häufigste Fehlentscheidung ist die umgekehrte Reihenfolge: ein neues Werkzeug für ein Problem, das aus einer fehlenden Schnittstelle entsteht.

Einordnung

Steigende Personalkosten sind kein vorübergehender Effekt. Betriebe, die ihre Routinevorgänge automatisieren, halten die gleiche Bestellmenge mit unverändertem Team. Das ist meist die realistischere Zielsetzung als Personalabbau.