Der EU-Klimazoll, offiziell Grenzausgleichsmechanismus, sorgt für Unsicherheit bis in einfache Warengruppen hinein. Die WELT beschrieb Mitte April den Fall von Schraubenhändlern, bei denen derzeit niemand sagen kann, wie hoch die Abgabe tatsächlich ausfallen wird. Gezahlt werden muss sie erst später.

Für Händler mit Importanteil ergibt sich daraus eine ungewohnte Lage: Eine Kostenposition ist dem Grunde nach bekannt, der Höhe nach aber nicht.

Wen es betrifft

Der Mechanismus zielt auf energieintensive Vorprodukte, unter anderem Eisen und Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel und Strom. Betroffen sind damit nicht nur Rohstoffimporteure, sondern alle, die Waren mit erheblichem Metallanteil aus Drittländern beziehen. Werkzeug, Befestigungstechnik, Beschläge, Gartengeräte und Teile des Möbelsortiments fallen darunter.

Drei praktische Konsequenzen

  • Langfristige Preiszusagen gegenüber Geschäftskunden sind riskanter geworden. Wer Jahrespreise vereinbart, sollte eine Anpassungsklausel für staatliche Abgaben prüfen lassen.
  • Die Bezugsquelle wird zum Kalkulationsfaktor. Derselbe Artikel kann aus unterschiedlichen Ländern unterschiedlich belastet sein. Das lässt sich nur bewerten, wenn das Ursprungsland je Lieferant im System hinterlegt ist.
  • Die Datenanforderung wandert die Lieferkette hinauf. Ohne Angaben zu Emissionen je Produkteinheit ist eine Abgabe nicht berechenbar. Lieferanten, die diese Daten nicht liefern können, werden zum Problem.

Was im System hinterlegt sein sollte

Viele Betriebe führen den Lieferanten, aber nicht das Ursprungsland je Artikel. Für Zoll, Statistik und künftige Abgaben sind mindestens vier Felder nötig:

  • Zolltarifnummer je Artikel, aktuell gepflegt
  • Ursprungsland je Lieferant-Artikel-Kombination
  • Nettogewicht und gegebenenfalls Materialanteil
  • Bezugsweg, also Direktimport oder Bezug innerhalb der EU

Diese Felder sind in JTL-Wawi, Shopware und vergleichbaren Systemen vorhanden. Sie werden nur häufig nicht befüllt, weil sie im Tagesgeschäft bisher niemand gebraucht hat.

Einordnung

Ob der Mechanismus in der aktuellen Form Bestand hat, ist offen und politisch umstritten. Die Datenarbeit lohnt sich unabhängig davon, weil dieselben Angaben für Zollanmeldungen, Ursprungsnachweise und Lieferantenbewertung gebraucht werden. Wer sie jetzt nachträgt, muss es später nicht unter Zeitdruck tun.