Der Otto-Konzern hat Anfang Juni bei stabilem Umsatz deutlich höhere Gewinne gemeldet. Gleichzeitig laufen Sparprogramme in mehreren Tochtergesellschaften. Wachstum soll künftig über neue Technologien entstehen, unter anderem in Zusammenarbeit mit einem US-Anbieter. Die WELT zitierte die Aussage, man werde stationären Händlern damit deutlich überlegen sein.

Die Zahlen eines Konzerns sind für einen mittelständischen Betrieb nicht übertragbar. Die Logik dahinter schon.

Gewinn ohne Umsatzwachstum

Der Befund lautet: stabiler Umsatz, höhere Gewinne. Das entsteht nicht durch neue Kunden, sondern durch niedrigere Kosten je Vorgang und durch besseres Sortimentsmanagement.

Für kleinere Betriebe sind die Hebel dieselben, nur in anderer Größenordnung:

  • Kosten je Bestellung senken, indem manuelle Schritte zwischen Shop, Warenwirtschaft und Versand entfallen
  • Kapitalbindung senken, indem Bestellmengen an tatsächlichem Absatz ausgerichtet werden statt an Einkaufskonditionen
  • Retourenkosten senken durch bessere Produktdaten
  • unrentable Artikel identifizieren und auslisten

Wo Technologie wirklich Geld spart

Die teuersten Vorgänge in einem Handelsbetrieb sind selten spektakulär. Es sind Doppelerfassungen, Nachfragen und Korrekturen. Konkret:

  • Bestellungen, die aus einem Marktplatz manuell in die Warenwirtschaft übertragen werden
  • Bestände, die mehrfach gepflegt werden, im Shop und im System
  • Rechnungen, die einzeln erzeugt und versendet werden
  • Kundenanfragen zum Bestellstatus, weil die automatische Benachrichtigung fehlt oder unbrauchbar ist

Jeder dieser Punkte lässt sich mit vorhandenen Schnittstellen abstellen. Der Nutzen ist messbar, weil sich die Bearbeitungszeit je Bestellung direkt auswerten lässt.

Was nicht funktioniert

Technologie ersetzt keine Sortimentsentscheidung. Ein automatisierter Prozess auf einem unrentablen Sortiment erzeugt Verluste schneller, nicht weniger. Die Reihenfolge ist deshalb: erst Zahlen je Artikel und je Kanal, dann Automatisierung.

Einordnung

Die Aussage, man sei stationären Händlern überlegen, ist als Botschaft an den Kapitalmarkt zu lesen. Der überprüfbare Teil ist der Zusammenhang zwischen Prozesskosten und Ergebnis. Dieser Zusammenhang gilt unabhängig von der Betriebsgröße.