DHL rechnet für die Osterzeit mit einem Rekord bei den Paketmengen. Die WELT wies Ende März darauf hin, dass der größte Schub nicht vor, sondern nach den Feiertagen kommt. Der Grund liegt auf der Hand: Rücksendungen und nachgeholte Bestellungen treffen zeitversetzt ein.
Für Versender ist das kein Randthema. Wenn Zustellnetze an der Kapazitätsgrenze arbeiten, verlängern sich Laufzeiten, und die Beschwerdequote steigt, ohne dass der Händler etwas falsch gemacht hätte.
Kapazität wird auf Wochenebene geplant, nicht im Jahresdurchschnitt
Die meisten Betriebe planen Personal und Verpackungsmaterial über Monatswerte. Das führt zuverlässig dazu, dass in Spitzenwochen Überstunden anfallen und in schwachen Wochen Leerlauf entsteht.
Eine Planung auf Wochenebene braucht nur drei Datenreihen aus der Warenwirtschaft:
- Bestellungen je Kalenderwoche der letzten zwei Jahre
- Pakete je Bestellung, getrennt nach Sortimentsgruppe
- Retoureneingang je Kalenderwoche, versetzt zur Bestellwoche
Daraus ergibt sich ein Profil, das sich Jahr für Jahr in ähnlicher Form wiederholt. Ostern, Muttertag, Schulferien, Black Friday und die Wochen nach Weihnachten sind in fast jedem Sortiment sichtbar.
Die Wochen nach der Spitze sind der Engpass
Der Wareneingang von Retouren ist personalintensiver als der Versand. Prüfen, reinigen, neu verpacken, wieder einbuchen, Erstattung auslösen. Wenn dieser Bereich nach einer Spitze überläuft, warten Kunden auf ihr Geld, und der Bestand steht wochenlang nicht zum Verkauf bereit.
Praktikable Maßnahmen:
- Retourenannahme in der Woche nach der Spitze personell verstärken statt in der Spitze selbst
- Erstattung auslösen, sobald der Eingang gescannt ist, nicht erst nach vollständiger Prüfung, sofern das kaufmännisch vertretbar ist
- schnelldrehende Artikel im Retourenprozess bevorzugt behandeln, damit der Bestand zügig wieder verfügbar ist
Zwei Versender statt einem
Wer ausschließlich mit einem Zustelldienstleister arbeitet, übernimmt dessen Kapazitätsengpässe vollständig. Ein zweiter Dienstleister für einen Teil des Volumens kostet etwas Verwaltungsaufwand und begrenzt das Risiko. In der Warenwirtschaft lässt sich die Zuordnung über Regeln automatisieren, etwa nach Gewicht, Zielgebiet oder Sendungsart.
Einordnung
Die Paketmengen steigen strukturell, nicht nur saisonal. Wer seine eigene Spitzenlast kennt und die Wochen danach bewusst plant, braucht in der Spitze weniger Improvisation. Das ist weniger aufwendig, als es klingt, weil die nötigen Daten in jedem Warenwirtschaftssystem bereits vorhanden sind.