DHL hat vorgeschlagen, schwere Pakete branchenweit zu zweit zuzustellen, um Zusteller zu entlasten. Die WELT griff das Thema Ende Juli auf. Ausgangspunkt ist, dass schwere Ware online mit wenigen Klicks bestellt, aber am Ende von einer Person getragen werden muss.

Sollte sich ein solches Verfahren durchsetzen, verändert es die Kostenstruktur für alle Händler mit schweren Artikeln. Unabhängig davon lohnt sich ein Blick auf die eigene Kalkulation.

Versandkosten werden häufig zu niedrig angesetzt

In vielen Shops beruht die Versandkostenberechnung auf einer Gewichtsstaffel, die aus einer alten Preisliste stammt. Nicht berücksichtigt sind dabei regelmäßig:

  • Zuschläge für Sperrgut, Übergröße und nicht rollfähige Sendungen
  • Zuschläge für Inseln, Gebirgsregionen und bestimmte Postleitzahlengebiete
  • Kosten für Rücksendungen, die bei schwerer Ware deutlich über den Hinsendekosten liegen können
  • Schadensquote und Ersatzlieferungen bei empfindlicher Ware

Bei Artikeln mit niedriger Marge kann die Differenz den gesamten Deckungsbeitrag aufzehren.

Was sich konkret prüfen lässt

  • Gewicht und Maße je Artikel im System pflegen, inklusive Verpackung. Geschätzte Werte führen zu falschen Versandarten und Nachberechnungen durch den Dienstleister.
  • Kartongrößen reduzieren. Weniger Varianten senken Einkaufspreis und Packzeit, größere Kartons erhöhen Volumengewicht.
  • Nachberechnungen des Dienstleisters auswerten. Sie zeigen genau, bei welchen Artikeln die hinterlegten Maße falsch sind.
  • Versandkostenregel im Shop an tatsächlichen Kosten ausrichten statt an einem runden Betrag.

Der Sonderfall Zwei-Mann-Handling

Bei Möbeln, Großgeräten und ähnlichen Artikeln ist Speditionsversand meist die bessere Lösung als Paketversand an der Gewichtsgrenze. Die Preise wirken höher, die Schadensquote ist aber deutlich niedriger, und Terminzustellung reduziert fehlgeschlagene Zustellversuche.

Einordnung

Ob eine Zwei-Personen-Zustellung branchenweit kommt, ist offen. Dass Zuschläge für schwere und sperrige Sendungen weiter steigen, ist absehbar. Wer Gewicht und Maße sauber im System führt, kann auf jede Preisanpassung innerhalb eines Tages reagieren.