Eine im April veröffentlichte Studie im Auftrag des Handelsverbands beziffert die Umsatzeinbußen des deutschen Einzelhandels durch Temu und Shein auf rund 2,5 Milliarden Euro jährlich. Mehr als 40.000 Arbeitsplätze könnten betroffen sein. Die WELT berichtete am 23. April über die Ergebnisse.

Solche Gesamtzahlen sind für die Branche relevant und für den einzelnen Betrieb wenig aussagekräftig. Die Verluste verteilen sich nicht gleichmäßig. Sie konzentrieren sich auf bestimmte Warengruppen.

Welche Sortimente tatsächlich betroffen sind

Der Wettbewerbsdruck ist dort am stärksten, wo drei Bedingungen zusammenkommen: niedriger Stückpreis, geringe Erklärungsbedürftigkeit und geringe Anforderungen an Passgenauigkeit oder Haltbarkeit. Typisch sind Modeaccessoires, einfache Haushaltsartikel, Dekoration, Kleinelektronik ohne Markenbindung und Saisonware.

Deutlich weniger betroffen sind Artikel mit technischer Spezifikation, Ersatzteile, Markenware mit Vertriebsbindung, Produkte mit Montage- oder Serviceanteil und alles, was ein Kunde zeitnah braucht.

Eine Sortimentsanalyse, die sich an einem Tag machen lässt

Nehmen Sie Ihre Artikel der letzten zwölf Monate und ordnen Sie jeden einer von drei Gruppen zu:

  • angreifbar: unter 30 Euro, kein Markenschutz, keine Spezifikation, kein Serviceanteil
  • geschützt: Spezifikation, Kompatibilität, Marke oder Service entscheiden über den Kauf
  • unklar: alles dazwischen

Danach vergleichen Sie Umsatz- und Deckungsbeitragsanteil je Gruppe. In vielen Betrieben zeigt sich, dass die angreifbare Gruppe einen hohen Umsatz- und einen niedrigen Deckungsbeitragsanteil hat.

Drei Konsequenzen

  • Angreifbare Artikel nicht über den Preis verteidigen. Entweder sie tragen sich bei aktueller Marge, oder sie kommen aus dem Sortiment.
  • Geschützte Artikel ausbauen. Das heißt meist: mehr Daten, bessere Bilder, vollständige Kompatibilitätslisten, Ersatzteilverfügbarkeit.
  • Warenkorbwert steigern statt Einzelpreise senken. Zubehör, Sets und Verbrauchsmaterial sind wirksamer als Rabatte.

Einordnung

Die politische Debatte über Zollfreigrenzen und Plattformregulierung läuft weiter, mit ungewissem Ausgang und langem Zeithorizont. Die Sortimentsentscheidung liegt dagegen vollständig im eigenen Betrieb und wirkt im laufenden Geschäftsjahr.