Der europäische Bezahldienst Wero wird nach Angaben aus dem Juni von rund acht Millionen Menschen in Deutschland genutzt. Die WELT beschrieb Funktionsweise und Datenschutzniveau als Vorteile, wies aber auch auf ein Problem hin: die geringe Bekanntheit. Parallel wurde bekannt, dass die Girocard als Bezahlalternative in Händler-Apps kommt.
Für Shopbetreiber stellt sich damit erneut die Frage, wie viele Zahlarten sinnvoll sind.
Mehr Auswahl hilft nicht automatisch
Jede zusätzliche Zahlart erzeugt Aufwand: Vertrag, technische Anbindung, Abstimmung in der Buchhaltung, Behandlung von Rückerstattungen, Schulung im Kundenservice. Gleichzeitig verlängert sich die Auswahlliste im Checkout, was die Entscheidung für den Kunden nicht erleichtert.
Sinnvoll ist eine Auswertung statt einer Annahme. Drei Kennzahlen genügen:
- Anteil am Bestellvolumen je Zahlart
- Gesamtkosten je Zahlart, inklusive Transaktionsgebühr, Ausfällen und Bearbeitungsaufwand
- Abbruchquote im Checkout, aufgeschlüsselt nach gewählter Zahlart
Regelmäßig zeigt sich, dass zwei bis drei Verfahren den Großteil des Volumens abdecken und einzelne Verfahren einen Aufwand erzeugen, der in keinem Verhältnis zu ihrem Anteil steht.
Was die Zahlartenwahl beeinflusst
- Warenkorbwert. Bei hohen Beträgen steigt der Anteil von Rechnung und Lastschrift, bei niedrigen der von Wallets.
- Zielgruppe. Im B2B-Geschäft ist der Kauf auf Rechnung praktisch Voraussetzung, im Endkundengeschäft ist er ein Ausfallrisiko.
- Endgerät. Auf dem Smartphone gewinnen Verfahren, die ohne Eingabe von Kartendaten auskommen.
Wann sich ein neues Verfahren lohnt
Ein zusätzliches Verfahren lohnt sich, wenn es entweder eine Kundengruppe erschließt, die bisher abbricht, oder wenn es ein teureres Verfahren ersetzt. Beides lässt sich nur beurteilen, wenn die Abbruchquote je Schritt im Checkout gemessen wird.
Bei neuen Verfahren gilt zusätzlich: Ohne ausreichende Bekanntheit bei der eigenen Zielgruppe bleibt der Anteil gering. Das spricht nicht gegen eine Anbindung, aber gegen überhöhte Erwartungen im ersten Jahr.
Einordnung
Der europäische Zahlungsverkehr wird sich in den nächsten Jahren verändern, unter anderem wegen der Abhängigkeit von US-Anbietern. Für den einzelnen Shop ist das kein Grund zu Aktionismus. Wer die Kosten je Zahlart kennt und die Abbruchquote misst, kann jede neue Option in wenigen Tagen sachlich bewerten.