Die WELT berichtete am 12. Mai gleich zweifach über den Zoll: einmal über die stark gestiegene Zahl abzufertigender Sendungen infolge des E-Commerce-Booms, einmal über Pläne, die Behörde personell und technisch zu stärken. Genannt wurden Billigwaren aus China, Schwarzarbeit und Schmuggel.
Mehr Personal und bessere Technik bedeuten für rechtstreue Importeure vor allem eines: Anmeldungen werden häufiger und genauer geprüft.
Wo Fehler in der Praxis entstehen
Die meisten Beanstandungen gehen nicht auf Absicht zurück, sondern auf ungenaue Stammdaten:
- falsche oder veraltete Zolltarifnummer. Sie bestimmt Zollsatz, Einfuhrumsatzsteuer und mögliche Verbote.
- unvollständige Warenbeschreibung. Angaben wie Zubehör oder Geschenkartikel genügen nicht.
- abweichender Warenwert zwischen Handelsrechnung und Anmeldung
- fehlende Ursprungsnachweise bei Präferenzabkommen, wodurch ein möglicher Vorteil verfällt
- unzutreffende Angaben zum Empfänger bei Fulfillment über Dritte
Was das kostet
Ein einzelner Fehler verursacht selten hohe Kosten. Systematische Fehler tun es. Nachforderungen können mehrere Jahre rückwirkend erhoben werden, und die Verzögerung in der Abfertigung trifft Ware, die im Shop bereits als verfügbar angezeigt wird.
Bei wiederkehrenden Auffälligkeiten steigt die Kontrollquote für den betroffenen Importeur. Damit verlängern sich Laufzeiten dauerhaft.
Vier Punkte, die sich klären lassen
- Zolltarifnummern des Sortiments einmal jährlich prüfen. Die Nomenklatur ändert sich, insbesondere bei Elektronik und Textilien.
- Ursprungsland je Artikel und Lieferant im Warenwirtschaftssystem führen, nicht nur auf der Rechnung.
- Bei regelmäßigen Importen die Zusammenarbeit mit einem Zollagenten oder einem spezialisierten Dienstleister prüfen. Die Kosten sind planbar, Nachforderungen sind es nicht.
- Bewilligungen prüfen, etwa das Zahlungsaufschubkonto. Es verbessert die Liquidität und beschleunigt die Abfertigung.
Einordnung
Der Zoll wird als Engpass im E-Commerce dauerhaft eine größere Rolle spielen, weil das Sendungsvolumen weiter steigt. Betriebe, die ihre Anmeldedaten aus dem System heraus erzeugen statt sie je Sendung neu zusammenzustellen, sind davon deutlich weniger betroffen.